Der Stretch

Nun dachte ich, es wäre an der Zeit, die Pflanzen in die Blütephase zu schicken.
Ich habe etwas lange gewartet, da einige der Pflanzen langsamer waren als andere.
Das hatte mit meiner Entscheidung zu tun, verschiedene Genetiken zu pflanzen.
Was soll ich sagen: Die Pflanzen gingen wunderschön in die Blüte und in den damit verbundenen Stretch.
Was soll ich sagen, ich habe zu lange gewartet…
Der Stretch war massiv und kaum zu bändigen.

Ich stand kopfkratzenderweise vor dem Beet wie ein Schimpanse, der das Konzept seiner eigenen Dummheit beginnt zu begreifen, und dachte mir:
„Well Well Well, If It Isn’t The Consequences Of My Own Actions.“

Naja, ich schreibe meine Erfahrungen ja auf, damit andere von meiner Doofheit lernen können.
Was will man machen.

Ich habe also noch ein paar kleinere Triebe entfernt (auch hier wieder zu wenige… wie immer)
und etwas entlaubt.
Ich habe diesen Prozess mehrfach wiederholt.

Irgendwann fiel mir auf, dass von den ehemals sieben Pflanzen nur noch fünf lebten.
Dies war mir durch das dicke Blätterdach vorher gar nicht aufgefallen.
Die anderen Pflanzen haben sie schlicht „erdrückt“. Die anderen haben einfach nicht mehr genug Licht bekommen.

Da sich mein Platzproblem auf natürlichem Weg gelöst hatte – die Pflanzen waren nun so angeordnet wie die Zahl 5 auf einem Würfel – ließ ich sie einfach in die Blüte gehen und wachsen und gedeihen.

Dafür gab es nun ein ganz anderes Platzproblem, nämlich vertikaler Natur.
Die Pflanzen sind so doll gestretcht, dass ich die Lüftung nach außen verlegen und mit der Beleuchtung tricksen musste.
All diese Anpassungen mussten natürlich passieren, während das Zelt voll mit Pflanzen war – daher war dieser Umbau ein Balance- und Gewalttakt.

Nach kurzer Zeit roch ich Terpene, wie ich es vorher noch nie getan habe.
Es ist schwer zu beschreiben, aber ich versuche es einmal:
Der Geruch setzte schon sehr früh in der Blüte ein und war „voller“ als sonst.
Der Unterschied war, als würde man an Cannabis riechen, wenn man erkältet ist, und wenn man nicht erkältet ist.
Alles war irgendwie „voller“ und „differenzierter“. Ich hatte das Gefühl, die Nuancen mehr wahrnehmen zu können.

Auch war ich fasziniert davon, dass selbst in der vollsten Blüte die Pflanzen nicht einmal Anzeichen von Nährstoffmangel zeigten.

Somit verging dann die Zeit bis zur Ernte hauptsächlich mit Beobachten, Gießen, Schnibbeln und Freuen.